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Retrospektiven

Geschrieben von Christoph Hochstrasser

Zusammenfassung

Unausgesprochenes aussprechen, offen Probleme ansprechen, kontinuierlich als Team verbessern

Dauer

1–2 Stunden

Einleitung

Bei einer Retrospektive geht es grundsätzlich um die folgenden (relativ einfachen) Fragen:

  • Was läuft gut und sollten wir beibehalten?
  • Was läuft nicht gut und sollten wir anders machen?

Das braucht man für eine Retrospektive

Man braucht nicht wirklich viel für eine Retrospektive und du besitzt das Meiste davon wahrscheinlich schon:

  • Einen Raum. Wenn möglich sollten Tische zur Seite geschoben werden und die Sessel im Halbkreis um ein Flipchart stehen, damit jeder gleich nahe am Flipchart sitzt um gut beitragen zu können. Wenn es einen “Team-Raum” gibt, dann sollte dieser genutzt werden anstatt eines Konferenzraums, da dort die Ergebnisse der Retrospektive nicht weggeräumt werden müssen.
  • Einen Retrospective-Leader, der als Moderator und Vermittler zwischen den Teilnehmern agiert, die Vorbereitung übernimmt und den Ablauf steuert. Idealerweise nicht jemand vom Management, damit Mitarbeiter wirklich offen sprechen können.
  • Team-Mitglieder, die freiwillig anwesend sind (es macht keinen Sinn, wenn Personen dabei sind, die nicht mitarbeiten wollen, weil z.B. erwartet wird Arbeitsaufträge auszuführen.)
  • Oberflächen zum Schreiben, ideal ist mindestens ein Flipchart und für jede teilnehmende Person je ein Flipchart-Marker.
  • Post-its für das Brainstorming. Verschiedene Formen von Brainstorming sind Teil von vielen Aktivitäten, wie z.B. “Mad/Sad/Glad” oder StoStaKee. Ideen auf Post-its können auch in Cluster gruppiert werden um Muster zu finden und daraus Erkenntnisse zu gewinnen.

So läuft eine Retrospektive ab

Set the Stage

Der Retrospective-Leader begrüßt alle Teilnehmer und dankt den Teilnehmern, dass sie sich Zeit genommen haben.

Bei der ersten Retrospektive ist es auch wesentlich hier nochmal festzuhalten, dass es in der Retrospektive nicht darum geht, das man jemanden die Schuld gibt, für das was nicht gut gelaufen ist. Wir nehmen an der Retrospektive teil, weil wir verbessern wollen wie wir arbeiten.

Ich persönlich beginne hier gerne damit, das ich jeden Teilnehmer um eine kurze Wortmeldung bitte. Wenn wir z.B. über den letzten Scrum-Sprint reden, dann frage ich die Teilnehmer nach einem Wort oder einer Phrase zum letzten Sprint. Wichtig ist mir hier, dass jeder Teilnehmer irgendetwas sagt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so später bei den Aktivitäten alle aktiver mitarbeiten, wenn einmal das Schweigen gebrochen wurde.

Gather Data

Hier geht es zuerst darum Daten zu sammeln. Daten können hier alles sein, auch Befindlichkeiten. Nachher wollen wir diese Daten dann auswerten, Erkenntnisse daraus gewinnen und Aktionen daraus erarbeiten.

Generate Insights

Nachdem Daten gemeinsam gesammelt wurden, geht es darum aus den Daten Erkenntnisse zu gewinnen. Eine Aktivität kann z.B. “5 Whys” sein.

Decide What To Do

Eine Retrospektive ist nicht nur ein Meeting bei dem viel gesagt wird. Es geht hier auch darum, nach dem wir etwas herausgefunden haben und nach den Erkenntnissen, die wir gewonnen haben Experimente zu planen, die dann durchgeführt werden.

Eine einfache Möglichkeit um die Ergebnisse der Retrospektive festzuhalten ist ein “Wer-Was-Wann”. Dafür eine Tabelle mit drei Spalten auf ein Flipchart-Blatt oder ein Whiteboard zeichnen: “Wer”, “Was” und “Wann” (Illustration folgt).

Danach für jede Idee, die man umsetzen möchte jemanden definieren (Wer), der etwas tut (Was) bis zu welchem Zeitpunkt (Wann) und je in eine Zeile der Tabelle schreiben. Das kann auch für jegliche andere Arten von Meetings verwendet werden, wo man festhalten möchte welche Aktionen aus dem Meeting folgen sollen.

Debriefing

Beim Debriefing geht es darum, herauszufinden was man an der Retrospektive an sich verbessern kann. Der Retrospective-Leader kann hier Feedback für sich gewinnen. Auch die Retrospektive soll die Gelegenheit bekommen sich ständig zu verbessern.

Tipps

  • Pünktlich beginnen, Zeitplan rigoros einhalten. Vorbereitung hilft hier.
  • 1 Stunde Vorbereitung als Leiter der Retrospektive einplanen um Aktivitäten zu planen.
  • Working Agreements am Anfang der ersten Retrospektive unbedingt festlegen. Hinweis, dass Working Agreements aufbewahrt werden sollen.
  • Ungefähr jede Stunde 10–15 Minuten Pause.
  • Start mit dem Review der Tasks, die bei der letzten Retrospektive erarbeitet wurden.
  • Um TeilnehmerInnen in “Redelaune” zu bekommen hilft mit einer kurze Runde zu beginnen, wo jede TeilnehmerIn eine kurze Wortmeldung zum letzten Sprint bringt.
  • Eine weitere Möglichkeit zur Auflockerung ist das “Sprint Wetter”: Jede TeilnehmerIn beschreibt den letzten Sprint, wie in einem Wetterbericht. Beispiel: Sonnig, bewölkt, regnerisch.

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